Wann lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

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Lesedauer: 4 Minuten
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird auch als BU-Versicherung oder auch mit dem Akronym BUV bezeichnet. Damit wird in der Regel ein Produkt einer privaten Versicherungsgesellschaft bezeichnet, die der Absicherung des Einkommens bei dauerhafter Berufsunfähigkeit dient. Im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung wird zwar ebenfalls der Begriff BU Versicherung im Zusammenhang mit allen Personen verwendet, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, das soll aber in diesem Zusammenhang nicht weiter interessieren.

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung und was leistet sie?

Auf den Punkt gebracht handelt es sich um eine private Versicherung, die den Verlust an Einkommen ausgleicht, der dadurch entsteht, dass der Versicherungsnehmer seinen aktuellen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Fähigkeit zur Ausübung des aktuellen Berufs muss zu mindestens 50 Prozent eingeschränkt sein und für mindestens 6 Monate bestehen.

Die Versicherung zahlt in solchen Fällen eine BU-Rente. deren Höhe sich am Nettolohn des Versicherungsnehmers orientiert. Diese Rente soll dem Versicherungsnehmer ermöglichen, den gewohnten Lebensstandard weiterhin aufrecht zu erhalten und ein Abrutschen unter das Existenzminimum verhindern.

Wie sinnvoll ist eine BU Versicherung?

Für die meisten Menschen stellt ihre Arbeitskraft das einzige nennenswerte Kapital dar, das sie besitzen. Sie stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten im Gegenzug dafür Lohn, Gehalt, Bezüge oder Sold. Wenn aus irgendeinem Grund die Arbeitskraft nicht mehr verfügbar ist, kann das Existenzprobleme verursachen. Es gibt zwar staatliche Unterstützung, die genügt aber kaum zur Absicherung des Existenzminimums. Wenn eine junge Familie sich gerade ein Haus baut oder gekauft hat, kann der permanente Ausfall der Arbeitskraft selbst nur eines Partners katastrophale Folgen haben.

Fast jeder 4. Arbeitnehmer wird im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig!

Leider herrscht bei vielen Menschen die Ansicht, dass für sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht sinnvoll sei, da sie keine schwere oder gefährliche Arbeit verrichten. Das ist jedoch ein Trugschluss. Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Zwar stimmt es, dass es immer weniger körperlich schwere oder gefährliche Arbeit gibt, das Risiko verlagert sich dadurch nur, anstatt sich zu verringern. Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind heute:

  • Psychische Erkrankungen (31,9 %)
  • Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats (20,3 %)
  • Krebs (17,8 %)
  • Sonstige Erkrankungen (14,6 %)
  • Unfälle (8,4 %)
  • Herz- und Gefäßerkrankungen (7,0)

Wird in Betracht gezogen, dass die Lebensarbeitszeit ständig angehoben wird, der Druck auf Arbeit wächst, besonders bei jungen Leuten eine erhöhte Risikobereitschaft herrscht und viele Menschen nicht gerade gesund leben, kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass das Risiko einer permanenten Berufsunfähigkeit sogar ansteigt.

Finanzexperten bezeichnen eine Berufsunfähigkeitsversicherung als unverzichtbar, weil sie ein existenzielles Risiko absichert.

Welche Varianten der BUV gibt es?

Eine BU Versicherung kann in 2 verschiedenen Formen abgeschlossen werden:

  • eigenständiger Versicherungsvertrag
  • Zusatzversicherung

Der eigenständige Versicherungsvertrag

Der Vertrag wird zwischen der Versicherungsgesellschaft und dem Versicherungsnehmer geschlossen. Der Versicherungsnehmer muss eine monatliche Prämie zahlen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Versicherung dazu, die vereinbarte monatliche Berufsunfähigkeitsrente entweder bis zum Ende der Berufsunfähigkeit oder bis zum Ende der Laufzeit zu bezahlen. Die Höhe der Prämie wird individuell bestimmt. Sie hängt vom Risiko ab und wird von der Versicherung kalkuliert.

Die Zusatzversicherung

Eine BUV als Zusatzversicherung ergänzt einen bestehenden Versicherungsvertrag, zum Beispiel eine Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung. Tritt Berufsunfähigkeit ein, übernimmt die BU-Zusatzversicherung das fortlaufende Zahlen der Beiträge und gewährleistet dadurch eine ausreichende Altersvorsorge. Der Vertrag kann individuell gestaltet werden. Unter Umständen kann auch eine kleine BU-Rente gezahlt werden.

Die BU-Versicherung ist eine Risikoversicherung. Auszahlungen erfolgen nur im Schadensfall. Wird die Versicherung nicht in Anspruch genommen, erfolgt im Allgemeinen keine Erstattung der Beiträge.

Gibt es auch Umstände, unter denen sich eine BUV nicht lohnt?

So etwas ist durchaus möglich. Vor dem Abschluss des Vertrags muss der Versicherungsnehmer einen umfangreichen medizinischen Fragebogen ausfüllen und sich möglicherweise sogar von einem Vertragsarzt untersuchen lassen. Schätzt die Versicherung das Risiko als zu hoch ein, kann es durchaus passieren, dass sie den Versicherungsantrag ablehnt. Manchmal kann es auch passieren, dass die Prämien so hoch berechnet werden, dass sie sich der Versicherungsnehmer nicht leisten kann. Zu den Umständen, die so etwas verursachen können, gehören:

  • Vorerkrankungen
  • Unfälle
  • Operationen
  • hohes berufliches Risiko
  • ungesunde Lebensweise
  • risikoreiche Freizeitbeschäftigung

Versicherungsnehmer sollten keinesfalls riskante Vorbedingungen verschweigen, um einen Vertrag bzw. niedrigere Prämien zu bekommen!

Wenn die Versicherung in Leistung treten soll, führt sie zuvor eine penible Untersuchung durch und durchleuchtet die Vorgeschichte besonders gründlich. Hat der Versicherungsnehmer im Antrag falsche Angaben gemacht oder etwas vergessen, bedeutet das oft, dass die Versicherung nichts zahlt und den Vertrag einseitig kündigt.

Gibt es eine Alternative zur BU Versicherung?

Ja, die gibt es. Sie heißt Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung bietet die Erwerbsunfähgkeitsversicherung einen Basisschutz. Sie zahlt die vereinbarte Rente, wenn der Versicherungsnehmer in keinem Beruf länger als 3 Stunden täglich arbeiten kann. Zahlungen erfolgen auch, wenn der Versicherungsnehmer zum Pflegefall wird. Die Beiträge zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung sind niedriger und die Konditionen nicht so streng. Sie eignet sich als Alternative für Personen, die körperlich arbeiten, zum Beispiel Handwerker, Pflegekräfte, Reinigungspersonal oder Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Worauf sollten Versicherungsnehmer beim Abschluss eines Vertrags achten?

Sie sollten auf keinen Fall den Fehler machen, das erstbeste Angebot anzunehmen und einen Vertrag überstürzt unterzeichnen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine ernsthafte Angelegenheit und ein teures Versicherungsprodukt. Der Abschluss eines Vertrags will gut überlegt sein. Es gibt zwar Vergleichsseiten im Internet, auf denen Tarife verglichen und Verträge sofort online abgeschlossen werden können, sie sind aber nicht konkret genug und eignen sich bestenfalls zur ersten Orientierung. Am besten ist eine Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsexperten, der für seinen Service ein Honorar verlangt. Er hat den Überblick über die mehr als 60 Versicherungen in Deutschland, die BU-Versicherungen anbieten, kann den optimalen Tarif empfehlen, die Prämie berechnen und Tipps geben, wie legal gespart werden kann.

Vorsicht vor kostenlosen Beratungen!
Einige Makler, aber auch Versicherungen und Banken bieten eine kostenlose Beratung an. Diese ist jedoch nicht objektiv, weil nur die Produkte der betreffenden Versicherung oder Bank angepriesen werden. Diese sind nicht in jedem Fall die besten auf dem Markt.

Benjamin Krischbeck
Benjamin Krischbeckhttps://www.7trends.de
Benjamin Krischbeck, Jahrgang 1977, lebt mit seiner Familie in Augsburg. Als freier Journalist schrieb er bereits für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz – die tageszeitung, Berliner Zeitung, Spiegel Online und die Süddeutsche Zeitung. Der studierte Wirtschaftsjurist liebt ortsunabhängiges Arbeiten. Mit seinem Laptop und Coco (Zwergpinscher) ist er die Hälfte des Jahres auf Reisen.

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